Ich musste hier mal raus

Ich musste hier mal raus


# Neuigkeiten
Veröffentlicht von Christina Duncker am Dienstag, 5. Mai 2020, 00:00 Uhr
© cd

Moin, 

gestern habe ich ganz unabhängig voneinander mit verschiedenen Menschen über den Corona-Stress gesprochen. Alle berichten von zunehmender Genervtheit aller und der persönlichen Belastung durch eine Grundanspannung in diesen Tagen. Mir geht das auch so, keine Frage. 

Eine Frau sagte über ihren Ausflug nach Hamburg: "Ich musste hier mal raus!"

Hm, mir geht das nicht so. Ich war neulich einmal bei meinen Eltern in Hamburg und fand es dort im Park schrecklich voll. Alle zwei Minuten musste ich ins Gebüsch springen, weil die Fahrradfahrer so rasten.

Nein, ich bin am liebsten alleine im Wald oder an der See. Föhr im November ist einsame Klasse!

Was wir heute so stressig erleben, die Reduzierung auf uns und einen kleinen Aktionsraum, war im 18./19. Jahrhundert die angestrebte Lebensform. Okay, des Adels. Aber in dieser Zeit entstanden wunderschöne Parkanlagen um die Herrenhäuser herum. Die Menschen holten sich nicht nur ferne Orte in den eigenen Garten, sondern auch vergangene Zeiten durch antike Tempelbauten.

Fürst von Pückler war hier ein besonders verrückter Gärtner. Er und seine Frau Lucie verschuldeten sich über beide Ohren für ihre Landschaftsgärten. So ließen sich die beiden mit der Absicht scheiden, dass Fürst von Pückler in England eine reiche neue Frau finden konnte, damit die beiden weiter ihre Gärten anlegen konnten. Die Engländer kamen jedoch dahinter und so fand er keine Braut. Seine Reisebeschreibungen konnte er aber zu Geld machen. Lucie und er blieben in ihrer Gartenleidenschaft stets verbunden.  

Es bleibt also abzuwarten, welche Spleens wir mit der Zeit entwickeln werden. Doch es gibt Schlimmeres als Gärtnern. 

Pastorin Duncker

PS: Zu sehen ist ein Stück der Gartenanlage in Wörlitz bei Dessau. Englische Gärten sind auch in Deutschland zu finden. Es lohnt sich. Es ist dort traumhaft schön.