Gemeinschaft auf Abruf?!

Gemeinschaft auf Abruf?!


# Neuigkeiten
Veröffentlicht von Christina Duncker am Donnerstag, 23. Juli 2020, 08:30 Uhr
© CD

Moin, 

als ich am Wochenende die Kirche abschloss und über den Friedhof ging, traute ich meinen Augen nicht. Ich spürte, wie die Wut in mir aufkam und ich fing an, innerlich zu schimpfen. 

Der kleine Mülleimer, der dazu gedacht ist, die Hundekotbeutel zu entsorgen, war bis zum Anschlag mit Plastikblumentöpfen vollgestopft und in diesen wiederum steckten Hundekotbeutel. 

Wie unverschämt! 

Denkt eigentlich auch nur einer der Friedhofsbesucher, die ihren Plastikmüll dort entsorgen, daran, dass sich der Mülleimer nicht von alleine leert. Es ist einer unser Mitarbeitenden, der den Müll und den Kot aus dem Mülleimer rausquälen muss. Ja genau: eklig. Vielen Dank. 

Unsere Friedhofsverwalterin berichtet, dass alle Hundekotbeuteleimer so missbraucht werden. 

Leute, ich finde das total unfair und gedankenlos. So wollen wir doch nicht miteinander umgehen. 

Da einige Hundebesitzer es nicht schaffen, den Kot ihrer Hunde wegzuräumen, haben wir die speziellen Mülleimer aufgestellt. Unser Friedhofsteam ist bei der Grünpflege zu oft in Hundehaufen getreten, mussten die Geräte und Hände zu oft vom Kot reinigen. 

Und nun werden die Hundekotmülleimer von den nächsten Besuchern zweckentfremdet, weil sie ihren Plastikmüll nicht mit nach Hause nehmen wollen. 

Ich bitte euch alle, folgende Worte von Jesus zu erinnern: 

Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, so sollt auch ihr ihnen tun. Lk 6,31

Wer von euch möchte Hundekotbeutel aus einem vollgestopften Mülleimer pulen? 

Klare Sache: Niemand. Also, nehmt euren Plastikmüll mit nach Hause. Denkt daran, dass eure Rücksichtslosigkeit einem Menschen einen wirklich beschissenen Arbeitstag beschert.

An dieser Stelle möchte ich aber auch allen Hundebesitzer*innen danken, die die Beutel und Mülleimer annehmen. Danke, ihr helft dem Team damit sehr. 

Der überlaufende und zweckentfremdete Mülleimer auf unserem Friedhof ist leider eindrucksvolles Sinnbild, was in unserer Gesellschaft immer mehr in Schieflage gerät.  

Es geht immer nur um die eigenen Bedürfnisse. Welche Konsequenzen die eigenen Handlungen für andere Menschen haben, interessieren nicht.
Andererseits wird aber auch geklagt, dass es keinen Gemeinschaftssinn mehr gibt. Keinen Zusammenhalt. In Reinfeld ist ja einfach nichts los.

Immer wieder höre ich: "Frau Duncker, die Gemeinde müsste mal dieses und jenes auf die Beine stelle." Doch frage ich dann an, ob die Person mitmachen würde und auch noch weitere helfende Hände mitbringen könnte, höre ich oft: "Nein, dafür habe ich keine Zeit."  

Gemeinschaft, Zusammenhalt ist keine Einbahnstraße. 

Wir haben viele großartig engagierte Ehrenamtliche in der Gemeinde, die sehr viel auf die Beine stellen. Und unser Dank gebührt ihnen allen. 

Wir können aber nicht erwarten, dass es immer wieder dieselben engagierten Menschen sind, die gemeinschaftsstiftende Veranstaltungen und Gruppen organisieren. 

Wir alle sind aufgefordert uns einzubringen. 

Wir dürfen nicht in unserem Egoismus verharren und glauben, dass Gemeinschaft etwas ist, was man einfordern könnte, wenn einem der Sinn danach steht. 

Wir können doch nicht ernsthaft eine Gemeinschaft auf Abruf wollen. Denn dann müssen wir damit rechnen, dass sie im Ernstfall nicht abrufbar ist. 

Darum lege ich euch zum Abschluss erneut Jesu Worte ans Herz.

Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, so sollt auch ihr ihnen tun. Lk 6,31

Pastorin Duncker