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Sonntagsgottesdienste

Gründonnerstag, 9. April 2020

Pastorin Dr. Christina Duncker und Kirchenmusikerin Ursula Scheyhing

 

Tagespsalm 111,1-10

Evangelium des Tages: Johannes 13,1-15

Epistel des Tages: Erster Brief an die Gemeinde in Korinth 11,17-29

 

Predigttext Exodus 12,1-14

1 GOTT redete mit Mose und Aaron im Lande Ägypten: 2 »Der jetzige Monat soll in eurem Kalender der erste werden; er führt bei euch die anderen Monate des Jahres an. 3 Teilt der ganzen Gemeinde Israel Folgendes mit: ›Am zehnten Tag dieses Monats soll jede Familie sich ein Lamm aussuchen, Haushalt für Haushalt. 4 Wenn die Leute in einem Haus alleine kein ganzes Lamm essen können, dann sollen sie sich mit so vielen Nachbarinnen und Nachbarn zusammentun, bis sie in der Lage sind, ein ganzes Lamm zu verspeisen. 5 Das Lamm muss gesund, männlich und ein Jahr alt sein. Ihr könnt es aus der Schaf- oder Ziegenherde nehmen. 6 Ihr haltet es gesondert bis zum 14. Tag des Monats. Dann schächtet ihr es, so weit die Gemeinde Israels reicht, und zwar in der Abenddämmerung. 7 Alle sollen sie dann etwas von dem Blut an die Türpfosten und den Querbalken der Häuser streichen, in denen sie das Mahl halten. 8 Sie müssen das Fleisch, am Feuer gebraten, in derselben Nacht essen. Mazzen und bittere Kräuter gehören dazu. 9 Auf keinen Fall dürft ihr es roh oder gekocht essen. Es muss am Feuer gebraten sein, und zwar vollständig, mit Kopf, Schenkeln und Eingeweiden. 10 Ihr dürft davon nichts bis zum nächsten Morgen übrig lassen. Bleibt gegen

Morgen ein Rest, dann müsst ihr ihn verbrennen. 11 Ihr selbst sollt beim Essen bereit zum Aufbruch sein: das Gewand mit dem Gürtel geschürzt, die Füße mit Sandalen geschützt, den Wanderstab in der Hand. Ihr esst wie auf der Flucht. Das ist das Pessachfest für GOTT 12 Ich werde in jener Nacht durch Ägypten gehen und alles Erstgeborene im Lande töten, angefangen bei den Menschen, bis hin zu den Tieren. Gegen alle Gottheiten Ägyptens vollstrecke ich die Strafen, ich heiße GOTT. 13 Das Blut an euren Häusern soll für euch eine Schutzmarke sein. Ich sehe, wo ihr wohnt, und gehe an euren Häusern vorbei; sie soll mein vernichtender Schlag nicht treffen, wenn ich tötend durch Ägypten gehe. 14 Dieser Tag wird euch zum Gedenktag, ihr sollt ihn künftig mit einem Fest für GOTT begehen. Das ist für immer eure Pflicht.

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

 

eine lange Leidenszeit geht zu Ende. Doch noch ist kein Raum zur Entspannung. Noch ist die sorglose Zukunft nicht angebrochen. 

Jetzt gilt es, sich bereitzuhalten. Ja, vorbereitet zu sein auf die letzte große Bewährungsprobe. Und die Frage muss gestellt werden: Hast du genug Vertrauen in Gott? Denn unvorstellbares Leid wird um dich herum ausbrechen. Menschen werden sterben. Auch Menschen, die dir wichtig sind, obwohl ihr so verschieden seid.

 

Diese Erzählung bestimmt wie keine zweite die Identität des Volkes Israel: Der Auszug aus der Knechtschaft in Ägypten. Immer wieder wird sie erinnert, um an und mit ihr zu verstehen, wer Israel gerade ist. Die Propheten und Prophetinnen nutzen diese Erzählung durch die Jahrhunderte, um Israel Hoffnung zu schenken, aber auch um Israel seine Fehler vor Augen zu führen.

Im Exodus-Geschehen zeigt sich aber auch, wer Gott ist. 

Gott ist einzige Gott.

Der Gott, der befreit. 

Der Gott, der für die Schwachen und not-leidenden Menschen Partei ergreift. 

 

Wenn Jesus also am Vorabend des Passah-Festes mit seinen Jüngern und Jüngerinnen zusammen sitzt und ißt. Dann geschieht alles und wird alles in Erinnerung an den Exodus gesagt und getan.

Jesus wird sterben. Ihr Rabbi, den sie lieben.

Das Leiden steht vor der Auferstehung, der Befreiung.

Die Befreiung von unseren Fehler, die Errettung aus Unrecht, unter dem wir leiden. Sie ist uns verheißen und wird am Ostermorgen von Gott unwiderruflich bekräftigt. 

Doch heute ist der Abend, an dem wir gefragt werden: Hast du genug Vertrauen in Gott?

Wir wissen was folgt: Verrat und Verleugnung. Ohnmacht und stilles Mitleiden. Welchen Weg wählen wir?

 

Denn wir leben zurzeit in der Schwebe. Wissen nicht, was auf uns zukommt. Noch mehr Kranke und Tote, mehr Einschränkungen? Mehr Streit darum, ob wir in Europa einander helfen, oder nicht?
Verraten wir Barmherzigkeit und Nächstenliebe, oder überwinden wir Egoismus und Angst?

 

In Krisenzeiten kommt das Innehalten, das Reflektieren der Situation oft zu kurz. Wir sind getrieben vom Willen zu handeln.

Irgendetwas tun, um sich nicht machtlos zu fühlen. 

So wundert es nicht, dass Gott selbst diese Nacht seinem Volk sozusagen ins Herz schreibt: Was hier passiert, wie ihr euch entscheidet, bestimmt, wer ihr seid, wer wir füreinander sind.

Diese Frage wird euch immer wieder gestellt, wenn ihr diese Nacht erinnert. 

 

GOTT redete mit Mose und Aaron im Lande Ägypten: »Der jetzige Monat soll in eurem Kalender der erste werden; er führt bei euch die anderen Monate des Jahres an.  (…) Dieser Tag wird euch zum Gedenktag, ihr sollt ihn künftig mit einem Fest für GOTT begehen. Das ist für immer eure Pflicht.

 

Auch Jesus und seine Jünger*innen fragen sich am Passah-Fest, wer sie sind, wie stark ihre Beziehung zu Gott und zueinander ist.

Jesus ahnt den Verrat, ahnt, dass sie sich in ihrem Vertrauen überschätzen. 

Er weiß, dass das, was in dieser Nacht geschieht von kommender Bedeutung ist. Doch niemand versteht dies in dieser Stunde, darum sagt Jesus nach dem Teilen des Brotes und des Kelches: Das tut zu meiner Erinnerung. Und lädt uns so ein, immer wieder den Weg zur Befreiung zu gehen. 

 

Wie auch immer man vor Corona zu Gott, Jesus und Kirche stand, höre ich doch in diesen Tagen oft. „Ich gehe zwar eigentlich nie in die Kirche, aber ich vermisse das Läuten der Kirchenglocken.“ oder aber doch „Es schmerzt schon, zu wissen, dass man jetzt keinen Gottesdienst feiern kann, wenn man es will.“ Ob es die Glocken sind oder das Wort, die Musik. Das, was Halt und Orientierung gibt, fehlt in seiner gewohnten Form. 

Immer lauter werden darum auch die Stimmen, die fordern: Jetzt sagt uns doch endlich, wie es wann weitergeht!

Das Jetzt in seiner Flüchtigkeit auszuhalten überfordert uns. Doch es ist wichtig: Haltet inne, nehmt wahr, was ist: Schmerz, Wut, Lachen, Hoffnung. Nehmt wahr, wer ihr seid. 

 

Teilt der ganzen Gemeinde Israel Folgendes mit: ›Am zehnten Tag dieses Monats soll jede Familie sich ein Lamm aussuchen, Haushalt für Haushalt. Wenn die Leute in einem Haus alleine kein ganzes Lamm essen können, dann sollen sie sich mit so vielen Nachbarinnen und Nachbarn zusammentun, bis sie in der Lage sind, ein ganzes Lamm zu verspeisen. 

 

In der Krise entsteht eine „neues“ Israel. Die Nachbarschaft kommt zusammen. Gottes Weisung zwingt geradezu dazu Gäste einzuladen, denn das Lamm muss komplett aufgegessen werden. Nichts darf übrig blieben. Der Rest muss sogar verbrannt werden.

In der Not wird niemand alleine gelassen. 

Auch wir beobachten, dass sich Menschen plötzlich um fremde Menschen kümmern. Auch hier entsteht in der Not eine neue Gemeinschaft, obwohl wir gerade nicht zusammenkommen dürfen.

Die Bibel erzählt, dass in der Krise plötzlich alle satt werden. Lammfleisch. Ein Essen für Wohlhabende. Plötzlich reicht es für alle.
Doch trotz des Kümmerns um andere Menschen, kaufen wir auch  in unserer Not die Regale leer. Viele der Schwächsten unter uns werden eben doch nicht satt. 

Zum Glück sind viele dem Spendenaufruf für die Tafel Reinfeld gefolgt. Vielen herzlichen Dank dafür. So werden doch noch alle satt.   

 

Auch Jesus schafft eine neue Gemeinschaft, nämlich die, die sich versammelt, um Brot und Kelch zu teilen und an ihn zu erinnern. An seinem Tisch, sind alle willkommen und werden alle satt.

 

Doch auch wenn wir für gewöhnlich am Gründonnerstag in der Kirche zusammensitzen und gemeinsam essen, ist es nie ein Gelage. 

 

Ihr selbst sollt beim Essen bereit zum Aufbruch sein: das Gewand mit dem Gürtel geschürzt, die Füße mit Sandalen geschützt, den Wanderstab in der Hand. Ihr esst wie auf der Flucht.

 

Diese eindeutige Anweisung Gottes zum Passah raubt dem Fest jede Gemütlichkeit. Auch wenn in jüdischen Familien natürlich heute an einem Tisch gegessen wird, wird der biblische Text gelesen, wie wir das Evangelium zum Gründonnerstag lesen. 

So erinnern wir beim Hören, dass es um mehr geht, als den Bauch zu füllen für das Neue, was kommt. 

Die biblischen Erzählungen lenken unsern Blick auf das, worum es wirklich geht. Das Geschenk der Freiheit. 

Und dass wir es nicht durch Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit verspielen sollten. 

Vergesst nicht eure Not. Erinnert Gottes Handeln zum Guten. 

 

 

Alle sollen sie dann etwas von dem Blut an die Türpfosten und den Querbalken der Häuser streichen, in denen sie das Mahl halten. (…) Das Blut an euren Häusern soll für euch eine Schutzmarke sein. Ich sehe, wo ihr wohnt, und gehe an euren Häusern vorbei; 

 

Ein Erkennungszeichen, das uns heute befremdet, aber gar nicht soweit weg ist von Mund- und Nasenmasken. Auch dieser Schutz war uns bis vor ein paar Wochen fremd.   

Unser Erkennungszeichen als Christ*innen ist  seit gut 2000 Jahren die Taufe. 

Und sie mag euch in diesen Tagen und an diesen Ostertagen Halt, Orientierung und Kraftquelle sein. 

Gott sagt zu dir in der Taufe: 

Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Freude. 

Ich habe dich neu geboren durch das Wasser und

den Heiligen Geist, ich vergebe dir aus treuer Liebe 

und erhalte dich in der Gemeinschaft Jesu des

Messias und bewahre dich zum ewigen Leben.

 

AMEN

 

 

Fürbittengebet 

 

Gott, der du uns befreist.

Wir sehnen uns danach, zusammen Gottesdienst zu feiern.

Zu singen, zu beten und dein Wort, deine Musik zu hören, die uns stark machen. 

Heute hätten wir an einem Tisch gesessen und miteinander das Brot und den Saft geteilt. 

Wir vermissen, dich in unserer Gemeinschaft zu erfahren. 

 

Befreien uns aus dem Zweifel, dass wir alleine sind, dass wir machtlos sind.

Zeige uns deine Nähe, unserer Verbundenheit durch die Heilige Geistkraft. 

Wir sind nicht allein. 

 

Wir denken heute und in den kommenden Tagen an all die Menschen, die krank sind, die für unseren Schutz arbeiten, die weise Entscheidungen für uns treffen. 

Stärke sie alle in ihrem Vertrauen, dass du bei ihnen bist. 

Amen

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.

 

Segen

Gott sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeige.

Gott sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen,

um dich zu schützen gegen Gefahren.

Gott sei hinter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.

Gott sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Gott sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.

Gott sei über dir, um dich zu segnen.

So segne dich Gott, heute und allezeit. Amen    

 

 

EG 223 https://www.youtube.com/watch?v=1KGkhtdUEw8

EG 225   https://www.youtube.com/watch?v=yT8q6IqNW34

EG 229 https://www.youtube.com/watch?v=GgcDWOZoM28